2025 – so war das

Rückblick auf das 40. Jazzfestival Würzburg

Bei aller Umgewöhnung: Das MozARTareal ist Jazzfestival-tauglich. Wir testeten das mit sechs kontrastreichen Bands, und der Saal bewies seine brillante Akustik nicht nur bei Leise, sondern auch bei „Dreh voll auf!“! Dank dafür gebührt dem – für uns – neuen Technik-Team um Julian Eichler.

Aber zur Musik! Das Programm kam hervorragend an, und es war ja auch ausgesucht, um Musikerinnen und -siker vorzustellen, die Leuten von heute was zu sagen haben, mit der Kraft ihrer Kunst. Einfallsreichtum auf allen komposi- und improvisatorischen, Instrumentenbeherrschung, Zusammenspiel, Energie und Konzentration – wer sich für das Jazzfestival Würzburg bewirbt, muss die Jazzinitiative überzeugen, dass sie auch die Hörer überzeugen, die keine Noten lesen können.

Grenzüberschreitung gehört dazu. Manchmal sieht man vor lauter Überschreitung die Grenze nicht und fragt sich: Wieso ist das eigentlich noch Jazz? Dafür geben uns 40 Jahre Erfahrung die Antwort: Solche Musik wird eben nur von Jazzern gespielt!

Ein merkwürdiges Gefühl beim Programmmachen ist der Eindruck, dass die getroffene Ensemble-Auswahl stimmig, kompakt und ganzheitlich gelungen sei. Wenn die Bands dann spielen, treten die erheblichen Unterschiede, ja Gegensätze so deutlich vor Ohren, dass man bisweilen meint, dass sie, die Gegensätze, uns spätestens beim nächsten Solo um sie, die Ohren fliegen. Tun sie dann aber nicht.

Wer hingegen selbst bei den bestkuratierten Festivals aus dem Saal rennt, sind Kenner und Genießer, die mit der grade laufenden musikalischen Position einfach nichts anfangen können. Sie finden beim Jazzfestival Würzburg immer einen Ort und bereitwillige Zuhörer, mit denen sie ihre Eindrücke argumentativ untermauern können. Solche ruhigen Gespräche enden spätestens dann, wenn der Auftritt im Saal seinen Schlussapplaus einheimst, die Mehrheit ins Foyer strömt und die Combo für genau das lobt, was der Kritiker grade noch verriss.

Am Samstag zum Beispiel trieb das Schweizer Trio Arbre einige Hörer durch Versunkenheit und meditative Ruhe zur Weißglut. Der absolute Großteil des Publikums badete allerdings in einer Art Zen-Fluss mit. Das Gegenteil anschließend beim Jakob Manz Project: Diese Spielfreude, ja Spielbesessenheit erschien dem einen oder anderen Skeptiker dann doch als allzu extrovertierte Show. Nun, das Doppelkonzert firmierte ja auch ausdrücklich als Abend der Kontraste.

Dahingegen erklang die „Melodie im modernen Jazz“ am Anfangsabend im Gee Hye Lee Quintett und bei Lunar X so, als würden sich hier neun Instrumentalisten die Hände reichen und schwören, einander ewiglich zu ergänzen. Gar so harmonisch passten beim sonntaglichen Finale Norbert Dömling’s Flying Spices nicht zu Kuhn Fu, aber wir, der gemeinnützige Jazzinitiative Würzburg e. V., hatten ja auch zum Spaß bei der Kunst-Party eingeladen. Und es feierten deutlich mehr Gäste mit als erwartet: Für einen Schlusstag war dieser Mantelsonntag über die Maßen gut besucht.

Als wir mit dem Festival aus dem Grombühler Felix-Fechenbach-Haus in den innerstädtischen Saal zogen, war uns klar, dass der kleiner ist. Auch deswegen verteilten wir das Ganze auf drei Abende, damit es keine Engpässe gibt. Aber der Samstag war, blieb und ist nunmal der Ausgehtag der Woche. Mit dem Ergebnis, dass unser Festival das MozARTareal am Freitag und Sonntag zwar auch sehr gut füllte. Am Samstag mussten wir allerdings zum allerersten Mal in der Geschichte ein paar Interessenten zur Abwehr von Überfüllung nach Hause schicken.

Die meisten hatten Verständnis. Dafür danken wir ihnen, und anderen für anderes, nämlich den  Helferinnen und Helfern an Kasse und Theke, Martina Edelmann mit ihrem Cateringteam, Konrad Patzig und Jochen Volpert fürs Equipment-Herleihen, Carola Thieme und Markus Westendorf für den visuellen Auftritt des Festivals, den Hausmeistern Siggi, Christian und Marcel und allen sonstigen Unterstützern, den Sponsoren und unseren Mitgliedern.

Mit jazzigen Grüßen vom Vorstand der Jazzinitiative Würzburg e.V.:

1. Vors: Dr. Jörg Meister

2. Vors: Carola Thieme

Schriftführer: Joachim Fildhaut

Kassier: Christoph Mayer

Plakatdesign: Markus Westendorf

Impressionen vom Festival-Freitag

„Melodien im Modern Jazz“

Zwei junge Bands laden zur Feier der großen Schönheit ein.

© Fotos: Carola Thieme / thieme markendesign