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21. Jazzfestival
5. und 6. November 2005

Bilder



Christoph Lewandowski Quintett
Unter dem Motto „Reise in die Welt eines Musikers“ stellt der Würzburger Trompeter ein eigenes Projekt vor. Mit diesem Quintett fand er den richtigen Rahmen, um die Kompositionen zu interpretieren, die er während der letzten Jahre schrieb.
Schließlich brauchte er einen gemeinsamen Nenner für Inspirationen aus vielerlei Quellen. Denn während seines Jazzstudiums an der Fachakademie für Musik Würzburg und später der Würzburger Hochschule agierte er in etlichen Bands und lernte dabei verschiedenste Stilistiken kennen. Seine persönliche Vorliebe gilt lyrischen, melodischen Linien, moderner Harmonik und Ausflügen in die Latin-Rhythmik.
Zusätzlich zu seinem Abschluss Diplom-Musiklehrer blies Lewandowski in der Meisterklasse von Hans Peter Salentin. In der Szene kennt man ihn unter anderem als Mitglied  des Orchestra Salsamania und der Jazz- und Beatfreunde. Bigbandmäßig ist er mit der Aschaffenburger Jazzbigband und dem WJO unterwegs, stieß aber auch old fashioned bei der Conservatory Dixieland Band ins Horn. Christoph Lewandowski gab Konzerte u. a. mit Bob Degen, Tony Lakatosh, Charlie Mariano, Ernie Watts, George Gruntz, Maria Schneider, Bob Mintzer und Rob McConnell.
Christoph Lewandowski Trompete
Dirk Rumig Saxophon
Marco Netzband Piano
Klaus Ratzek Bass
Daniel Tornier Schlagzeug

Engstfeld-Weiss-Quartett plays Robert Schumann
In Düsseldorf bilden der Saxophonist Wolfgang Engstfeld und Drummer Peter Weiss so etwas wie das "alte Ehepaar" des avancierten Mainstream-Jazz. Schon lange beschäftigten sich die beiden mit dem Gedanken, Schumanns "Dichterliebe"-Lieder zu Texten von Heinrich Heine zu bearbeiten. Nicht nur wegen der Verbundenheit dieser großartigen Künstler mit Düsseldorf – vor allem die melodische Eleganz und romantische Harmonik inspirierten sie.
Es geht ihnen darum, "den Geist und das Gefühl dieser Stücke einzufangen und in die Sprache des modernen Jazz zu übersetzen". Mit seinem Pianisten schrieb Engstfeld die ersten Bearbeitungen, die das Quartett dann gemeinsam ausdifferenzierte.
Die romantische Zerrissenheit findet vorneweg ihre ideale Widerspiegelung im Sound des Tenorsaxophonisten, der zwischen samtweich murmelndem Spiel und aggressiven Färbungen über ein beeindruckendes Repertoire an Ausdrucksmöglichkeiten verfügt. Drummer Weiss legt die sichere rhythmische Basis und nutzt zugleich (!) jeden Freiraum zur Improvisation. Solch ein Balance-Akt gelingt nur einem Musiker-Paar, das, siehe oben, sehr gut aufeinander eingespielt ist.
Wolfgang Engstfeld Tenorsaxophon
Hendrik Soll Piano
Christian Ramond Bass
Peter Weiss Schlagzeug

Manfred Leuchter: Nomade
Ist das Akkordeon nicht vielleicht doch ein traditionelles Instrument vom Nordrand der Sahara? Man könnt's fast glauben, so selbstverständlich lässt Manfred Leuchter das Gerät durch die afro-orientalische Klangwelt wandern.
Doch so zauberhaft schön die ethnisch gefärbten Melodien sind, das eigentliche Wunder ist, wie leicht die streng gebundenen Linien aus freieren Passagen hervorgehen – und diese wieder aus jenen. Nomadentum hat hier also Konzept, auch wenn die Muster nicht aus Nordafrika stammen, sondern aus Indien, Südamerika. Der Bandleader und seine fast gleichberechtigte Gruppe wandern nämlich während eines Konzerts um die Welt, um globale Anregungen in etwas Eigenes zu verwandeln.
Wichtiger als die geographische Herkunft werden beim Musizieren die Klangfarben. Die stehen rein für sich und kokettieren nicht mit Exotik, selbst wenn die Band zwischendurch zu folkloristischen Instrumenten greift. Dass M. Leuchter – der mit seinem Solisten H. Leuchter weder verwandt noch verschwägert ist – auch in der Dreidimensionalität ständig zwischen seinen Wohnorten Marrakesch und Aachen pendelt, fördert die Offenheit. Auf Tourneen und im Studio begleiten ihn seit etlichen Jahren schon die zwei Bläser und die zwei Ryhthmiker, was ein traumhaft sicheres Zusammenspiel garantiert.
Manfred Leuchter Akkordeon
Heribert Leuchter Saxophon
Christoph Titz Trompete
Antoine Pütz Bassgitarre
Steffen Thormählen Drums

Würzburg Jazz Orchestra
Die Bigband der Jazzinitiative Würzburg bekam ihren neuen Titel WJO zum Osterkonzert dieses Jahrs, als ein halbes Dutzend auswärtiger Gastmusiker zu dem gewagten Projekt "Tribute to Don Ellis" stieß. Die Herausforderung rasend schneller ungerader Taktarten (und das Zusammenspiel mit dem witzigen Virtuosen Thomas Gansch) begeisterte alle Beteiligten dermaßen, dass die Gäste aus München, Weimar und Mannheim auch bei den weiteren Programmen des frisch gebackenen WJO mitspielen wollten.
Jetzt ist die Zeit reif dazu. Zum Festivalsonntag, dem traditionellen Sendeplatz der Ini-Bigband, gibt es "Continental Call" von Ed Partyka. Partyka war anno 2003 nicht nur Gastsolist der Würzburger Bigband, sondern schrieb im selben Jahr auch im Auftrag des Wiener Konzerthauses eine Suite für das Concert Jazz Orchestra Vienna. Herausragendes Instrument war dabei die Gitarre Wolfgang Muthspiels.
Dessen Part übernimmt heute Gitarrist Michael Arlt, Dozent an der Musikhochschule und ebenfalls vom Ellis-Projekt ans WJO gezogen.
Markus Geiselhart Leitung

Julia Hülsmann Trio + Roger Cicero
Der Mann hat Soul. Allerdings lädt er zu keinen überschwappenden Seelenbädern ein. Der Soul von Roger Cicero entspringt dem Kopf, kommt als neosachlicher Soul daher – und demonstriert bei dieser guten Gelegenheit, welch ein wundersam gefühlsgeladenes Objekt solch ein Kopf doch ist. Vom warmen Timbre seiner tiefen Lagen zu den klaren Höhen seiner Kopfstimme spannt sich ein beachtlicher Umfang, mit dem Cicero souverän spielt – leidenschaftlich kontrolliert sozusagen.
Mit dieser Haltung trifft er genau auf die Ästhetik der Berliner Pianistin Julia Hülsmann, die mit 16 Jahren ihre erste eigene Band gründete und bekennt: "Bei der Musik, die ich schreibe, geht es um eine Melodie. Ganz profan." Nun schwelgt auch Hülsmann keineswegs im Melodischen. Sie verzichtet vielmehr auf alles, was die Melodie erdrücken, bedrängen würde. Aus dieser Klassizität entspringt ein ähnlich reduzierter Stil wie in Ciceros Vokalkunst.
Das Instrumentalistentrio fand vor acht Jahren zusammen. Und natürlich beherrschen auch die beiden Rhythmus-Spezialisten die Tugend der sparsamen musikalischen Oberflächenbehandlung. Kontrabassist Marc Muellbauer spielte drei Jahre beim Ensemble für Neue Musik "United Berlin" und leitet seit 2002 seine neunköpfige Band Kaleidoscope. Rainer Winch trommelte unter anderem für Wolfgang Muthspiel, Dieter Ilg und Rebekka Bakken.
Julia Hülsmann Piano
Roger Cicero Gesang
Marc Muellbauer Kontrabaß
Rainer Winch Schlagzeug

Martin Klingeberg: Baby Bonk
Der Trompeter war Publikumsliebling der Würzburger Szene, als die noch im Autonomen Kulturzentrum (damals an der Martin-Luther-Straße) siedelte. Seine Ausflüge vom Jazz in die Welt des Schlagers brachten außer Spielwitz auch absurden Humor in die Konzerte. In Berlin wurde Martin nicht gerade zum besinnlichen Trauerkloß. Das Quartett exekutiert seinen zapparesken Funk-Pop-Jazz gern in auffällig gepflegter Kleidung; einen Hang zur Performance zeigten in den letzten Jahren auch einige Mitarbeiten des Bandleaders an Theatern. So wirkte er im Berliner Ensemble, der Brecht-Bühne, bei „Leonce und Lena“ (Grönemeyer/Wilson/Büchner) mit, außerdem arbeitete er für Bühnen in Basel und Frankfurt.
„Mit ihrem groovigen Mischmasch aus Tanzmusik, Rock, Jazz, lateinamerikanischer Musik und dem schrägen Humor der vier Ausnahmemusiker, irgendwo zwischen Helge Schneider und neodadaistischer Aktionskunst, steht Bonk für ein künstlerisches Projekt, halb Kabarett, halb Musik, das in keinem Stil zu Hause ist“, urteilte Freies Wort im April 2005, als das aktuelle Programm "Baby Bonk sagt die Wahrheit" als CD erschien.
Gitarrist Kalima studierte an der Sibelius-Akademie Helsinki und der Hanns-Eisler-Musikhochschule Berlin und begleitete bereits Größen wie Tomasz Stanko. Roder verweist auf freiheitsliebende MusikerInnen wie Schlippenbach, Hampel und Takase, an deren Seiten er Saiten zupfte. Drummer Griener trieb es mit Bill Ramsey und Zeena Parkins.
Martin Klingeberg Trompete, Gesang, Elektronik
Kalle Kalima Gitarre Gesang
Jan Roder Bass, Gesang, Hundeimitation
Michael Griener Schlagzeug, Gesang


Rahmen:

2. Nov., 21 Uhr: StummFilmLiveJazz im CinemaxX Würzburg
Dr. Mabuse. Küspert & Kollegen
"Der große Spieler. Ein Bild der Zeit" nannte Fritz Lang 1922 den ersten Teil seines Hypnose-Epos. Der Psychoanalytiker und Manipulator Mabuse gibt starken Anlass zu musikalischen Expressionismen. Zudem blickt der Film fast dokumentarisch auf die verschiedenen Gesellschaftsschichten und ihre Lebensformen – ebenfalls ein dankbarer Anreiz zur klanglichen Durchdringung.
Werner Küspert Komposition, Gitarre
Felix Wiegand Kontrabass
Hubert Winter Saxophone & Klarinetten
Daniel Tornier Schlagzeug

5. und 6. Nov.: Fotoausstellung im Felix-Fechenbach-Haus
Volker Lesch

Volker Lesch, Jahrgang 1957, setzt sich seit langen Jahren höchst unterschiedlich mit Musik auseinander: als freier Autor, Journalist, als Workshopleiter und Produzent und schließlich selbst als Musiker. Und er fotografiert für nationale und internationale Fachpublikationen des Musik-Business. "Gelebte Offenheit, Aufmerksamkeit und nie gestillte Neugier", so kennzeichnet er die Haltung seines Umgangs mit der Kamera. In Details spüren seine Fotos verborgene Stimmungen auf, u. a. vom Würzburger Jazzfestival 2003.

5. und 6. Nov.: After-Show-Sessions im "Standard", Oberthürstraße

6. Nov., 11 Uhr: Nachwuchsband-Wettbewerb
Die Jazzinitiative schrieb an allgemeinbildenden Schulen und Musikschulen einen Wettbewerb für Jazzgruppen aus. Während der Matinee stellen die Kandidaten ihr Können vor. Eintritt frei.