19. Jazzfestival
7. bis 9. November 2003


Felix Wiegand Band
„Programmatische Musik ohne Programm“, nennt das Quartett bekannter junger Würzburger Musikerpersönlichkeiten sein Konzept. „Das heißt, der Zuhörer ist persönlich eingeladen, sich eigene Bilder zu den verschiedenen Klangstimmungen der Stücke zu machen", erklärt der Initiator. Bilder machen, nicht Rhythmusverschiebungen zählen: menschliche Sinne sprechen die Instrumentalisten an. Felix Wiegands Kompositionen sind hierbei das Material, das durch die persönlichen Interpretationen der Musiker im Moment zum Leben erweckt wird. So kommen die ausdrucksstarken und sehr individuellen Stile der einzelnen Musiker voll zur Geltung und verschmelzen zu einem neuen Ganzen. Differenziert und nuancenreich bis in die kleinsten Ecken, so verläuft dieser Ausflug in die Stimmungswelten des modernen Jazz und der modernen Musik.
Hubert Winter Tenorsaxofon
Michael Wollny Piano
Felix Wiegand Kontrabass
Jean Paul Höchstädter Schlagzeug

Dora Michel & Claudia Zinserling Quartett
Nach den heimischen Matadoren eine echte Entdeckung. Dabei könnte heute erstmals beim Würzburger Jazzfestival "Georgia on My Mind" erklingen, und zwar sehr gut. Die beiden Künstlerinnen verbinden nämlich eine moderne Klangsprache mit voller emotionaler Intensität. Originellerweise greifen sie hierzu gern auf alte Vorlagen zurück. Mit Energie und Leidenschaft haben sich die Michel und Zinserling Jazz, Latin und immer wieder viel Gospel angeeignet. Dank ihrer Kreativität wurde wirklich Eigenes daraus. Die temperamentvolle Sängerin mit dem Riesen-Volumen bringt es auf den Punkt: "Es ist, als würde Claudia mit ihrem Spiel Geschichten aus ihrem Leben erzählen. Es ist immer wieder aufs Neue ein Abenteuer, mit ihr in der Musik zu verschmelzen." Michels klassischer Ausbildung schlossen sich Studien u. a. bei Norbert Gottschalk und Auftritte z. B. in der Alten Oper Frankfurt an. Claudia Zinserling studierte neben Tasteninstrumenten auch Percussion. Nippy Noya und Gitarrist Thorsten de Winkel spielten vergangenes Jahr in ihrer Band.
Dora Michel Gesang
Claudia Zinserling Piano, Keyboards
Udo Brenner Bass
Jens Biehl Schlagzeug

Café du Sport
"Das Rhythmusgespann spielt jederzeit so dezent und agil auf, dass keine Nuance verloren geht. Gitarre und Saxophon nutzen den Raum ihrerseits nicht, um ihn massig auszufüllen, sondern für feinsinnige Bemerkungen, Randbemerkungen gleichsam zu einer geschlossenen Mannschaftsleistung." So schön schrieb's das "Jazzpodium". Der Kölner Christian von Kaphengst sattelt in der Jugend von klassischem Klavier auf ebensolchen Kontrabass um, den er 1988 in Jazz-Dienste stellt. Er war (wie auch Saxophonist Frank Lauber) Mitglied des Bundesjazzorchesters unter Leitung von Peter Herbolzheimer und arbeitete mit Größen von Jazz und Pop, u.a. Randy Brecker, Charlie Mariano und Paul Kuhn. Bruno Müller griff bereits für Jennifer Rush und Stefan Raab in die Saiten. In München, Hamburg und New York lernte Guido May das trommeln. 1998 war er Finalist beim Hennessy Jazz Search. Zwei Jahre später gewann er diesen Wettberwerb mit Café du Sport.
Bruno Müller Gitarre
Frank Lauber Saxophon
Christian von Kaphengst Kontrabass
Guido May Schlagzeug

Cornelius Claudio Kreusch

Eine orgiastische Sinfonie aus Musik von Miles Davis, Maurice Ravel, Dvoráks “Stabat Mater”, dem Klavierspiel seiner Schwester, der bewegenden Gitarre seines Bruders, das Lied “Ich schenk’ dir einen Regenbogen” von seiner Mutter und das Lachen seines Vaters möchte Kreusch gern hören, wenn er "die Bühne des Lebens verlässt". Viel von diesem Impetus liegt auch in seiner Soloperformance. Für ihn ist "der Atem das zentrale Thema. Du nimmst Energie deiner Umwelt auf und schickst deine eigene in die Welt." Seine Musik soll die Menschen auf die Reise nehmen, soll sie "etwas Tiefes und Freude mit nach Hause nehmen lassen". Während sein Publikum eher mitfühlen als -denken soll, sucht der Künstler an seinem Instrument "nach der Qualität einer von der menschlichen Stimme gesungenen Melodie und dem Rhythmus, der die Nachricht überbringt: Trance, Heilung."
Cornelius Claudio Kreusch Klavier

Jazz ohne Strazz
Wo haben die Burschen jetzt schon wieder das Motiv hingehext?! Hörstress dieser Art erspart die Würzburger Band ihren Hörern. Denn die Fünf, die sich beim Studium an der unterfränkischen Hochschule für Musik kennenlernten, machen dem Wortspiel ihres Namens Ehre. So individuell, wie jeder an sein Instrument herangeht, so durchsichtig gestalten alle gemeinsam den Gruppensound. Sie holten sich Anregungen aus vielen Jazz- und Popstilen: John Coltrane, Duke Ellington, Sting, Miles Davis, Van Halen und Prince nennen sie als ihre Ahnen. Geerbt haben sie von denen den Hang zur Eigenkomposition.
Jürgen Zimmermann Tenorsaxophon, Bassklarinette
Mathias Debus Bass
Martin Ostermeier Posaune
Andi Obieglo Klavier
Uwe Breunig Schlagzeug

Karl Berger Quartett feat. Ingrid Sertso
Reifes Können und Jahrzehnte-lange Experimentierlaune verbinden den Vibraphonisten und die Sängerin miteinander, die die "Vaterfigur des deutschen Nachkriegsjazz" in den späten 60ern kennenlernte. 1971 gründeten sie in Woodstock mit Ornette Coleman das Musikernetzwerk Creative Music Studio. Eine Bilanz dieser aufregenden Erkundungen erwartet nun Würzburg. Reich entfalten sich die Obertöne seiner Vibes, ein Klangbad, das stets auf sichersten, oft wechselnden Rhythmen fußt – Bergers wunderbares Markenzeichen harmoniert mit der Freude seiner Frau am vokalen Verschmelzen von Jazz, südamerikanischen, afrikanischen und weiteren weltmusikalischen Strukturen. Ein US-amerikanischer Kritiker erinnert sich an seine Verblüffung, als Berger vor über 30 Jahren frisch in Amerika grad so klang, als sei er in der dortigen jungen Szene aufgewachsen. Am Anfang des 21. Jahrhunderts erwartet uns eine Stunde neuerlicher Verwunderung. Berger kommentiert: "Wir Musiker haben die Möglichkeit, Situationen zu schaffen, die nicht hundertprozentig aufgelöst sind und durch die die Leute angeregt werden, sich wieder zurechtzufinden in ihrem angestammten Areal, dem großen Raum, in dem wir alle existieren."
Karl Berger Vibraphon, Piano
Ingrid Sertso Gesang
John Lindberg Bass
Bill Elgart Schlagzeug

A Touch Of Jazz Violins
Ein Gipfeltreffen der beiden bedeutendsten deutschen Jazz-Violinisten - ein Feuerwerk der Themen und höchste Musikalität! Swing, Bebop und Funk: In diesen Genres bewegen sich Joerg Widmoser und Hajo Hoffmann. Mit ihren Instrumenten, die eine einzigartige Klangsprache garantieren. Elektrische Midi-Violine einer-, Five-String-Violin andererseits – diese Konstellation gab es bis zur Begegnung der beiden noch nie. Widmoser machte sich als Leiter des Modern String Quartet seinen Namen, Hoffmann ist erster deutscher Dozent für Jazzgeige an der Kölner Hochschule. Ihre dichte Gemeinsamkeit braucht ausgetüftelte Arrangements – unbekannte und ein paar beliebte Standards und jede Menge Eigenkompositionen führen sie im Repertoire.
Joerg Widmoser Violine
Hajo Hoffmann Violine
Martin Schrack Piano
Christian Stock Kontrabass
Walter Bittner Schlagzeug

Big Band der Jazzinitiative Würzburg e.V. feat. Ed Partyka
Zwischen Swing und Moderne pflegt die Big Band ein breites Repertoire. Höhepunkt und musikalische Erweiterung im Jahreslauf eines jeden Einzelnen ist aber das Jazzfest, für das man sich einen profilierten Projektleiter holt. Heuer gibt's eine Kooperation mit Edward "Ed" Partyka. Der Bassposaunist und Tubist im Vienna Art Orchester ist ein gefragter Komponist und Arrangeur für die verschiedensten Rundfunkbands. Er leitet sein eigenes "Ed Partyka Jazz Orchestra" und arbeitet eng mit Bob Brookmeyer zusammen, in dessen "New Art Orchestra" er auch spielt. Darüber hinaus ist Ed musikalischer Leiter der "Concert Jazz Band Vienna", sowie Leiter des Nürnberger "Sunday Night Orchestra". Im ersten Teil des 80-Minuten-Blocks spielend die Würzburger Partyka-Partituren, die der Wahl-Wiener mit ihnen einstudiert hat. Für den zweiten Teil haben Bassist Jürgen Heusler und Posaunist Markus Geiselhart ihrem Gast ein paar Stücke auf den Leib geschrieben. Uraufführung an diesem Sonntag!

Roman Schwaller / Michael Flügel Quartett
Der Nürnberger Pianist Michael Flügel erhielt 2001 den Kulturförderpreis der Stadt Fürth. Im Jahr drauf jammte er in einem Münchner Club‚ wo Roman Schwaller spontan mit einstieg. Bereits nach dem ersten Tune war klar, dass die Mischung stimmte. Die Formation gab ein paar Konzerte und arbeitete gezielt aufs heurige Jazzfestival Würzburg hin. Schon 1996 hatten sich die Wege der zwei Titelhelden gekreuzt: Michael spielte Piano beim Sunday Night Orchestra, Roman war dort Gastsolist. Als solcher steht der Schweizer für die komplexe Melodik des Hardbop. Die geht mit der Virtuosität und dem Groove vom Mann am Flügel eine bezwingende Mischung ein. Markus Schieferdecker fügte seiner Biographie jüngst Zusammenarbeiten mit Alphons Mouzon und Jasper van’t Hoff hinzu. Stilistisch bewegt sich das Quartett im »Straight Ahead«-Stil des Hardbop, den der 45-jährige Roman Schwaller meisterlich beherrscht. Experimente gehören nicht dazu, dafür aber eine gehörige Portion Swing, melodische Finesse und rhythmische Dichte.
Roman Schwaller Saxophon
Michael Flügel Klavier
Markus Schieferdecker Kontrabass
Joachim Leyh Schlagzeug

Der Rote Bereich
Die Eisenbahnfahrt verläuft in ruhigem Gleichmaß. Auch die Aussicht birgt keine dramatischen Wechsel. Das wichtigste an Land und Stadt: Was dort vorüberzieht, gibt unsern drei äußerst unterhaltsamen Abteilgenossen Stichworte zu den launigsten Bemerkungen, Geschichten und ein paar tollkühnen Albernheiten. Dieses Hörmodell erleichtert auch konventionelleren Jazzfreunden den Zugang in den Roten Bereich der drei Franken, die seit elf Jahren gemeinsam Hörgewohnheiten unterlaufen. Das gelingt ihnen vor allem deshalb erstaunlich leicht, weil sie so hundertprozentig sicher aufeinander agieren. Anregungen von außen holen sich die Roten aus internationalen Kooperationen mit Aki Takase, Carlos Bica, Kenny Wheeler, aber auch Alternativprojekten wie Das Rosa Rauschen. Nach einem Melodie-gesättigten Festival macht das bizarre Trio sicher nicht den Rausschmeißer, sondern entlässt die Gäste mit einem – hoffentlich nachhaltigen – Staunen und Schmunzeln.
Rudi Mahall Bassklarinette
Frank Möbus Gitarre
Oliver Bernd Steidle Schlagzeug