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18. Jazzfestival
8. bis 10. November 2002


Würzburger Jazz-und Beatfreunde
Das fängt knackig an! Hinter dem Namen verbirgt sich ein funkenschlagendes Wunschprojekt von Peter Wirth und Uwe Saußele. Die organisieren seit Frühjahr 2001 monatlich eine Session mit Schwerpunkt auf Funkjazz im damals session-verwaisten Liveclub Omnibus. Daraus wuchs die Stammformation, zu der beim Festival erprobte Gäste stoßen. ● Stilbildende Regionalprominenz im Line-Up: der erdige Keyboarder Werner Goldbach und Saxer Jürgen Zimmermann mit HipHop-Neigung. Den Stücken liegen oft spontan improvisierte Grooves zugrunde, die zu Kompositionen weiterverarbeitet wurden. Stilistisch ist alles erlaubt, was Spaß macht.
Uwe Saußele Gitarre
Werner Goldbach Keyboard
Jürgen Zimmermann Tenorsax
Martin Ostermeier Posaune
Christoph Lewandowski Trompete
Felix Wiegand Bass
Peter Wirth Drums

Norbert-Gottschalk-Quartett
Große männliche Jazzstimmen sind selten – und außerhalb des Mainstream eine absolute Rarität. Umso wunderbarer vereint Norbert Gottschalk sein virtuoses Organ mit den modernen Instrumentalsprachen seiner Mitmusiker: überraschend wohlklingende Experimente nicht scheuend. ● Neben dem (nicht nur in Europa) gefragten Lehrer für Jazzgesang und vokale Improvisation lässt Frank Haunschild magische Klänge aus seiner E-Gitarre fließen. Seit fünf Jahren spielen die beiden im Duo. ● Was nicht heißt, dass Bass und Drums nur das Rhythmusfundament dazu legten! Heitzler und Mutschler gestalten die fragilen Tongebilde des Quartetts vollkommen gleichberechtigt mit.
Norbert Gottschalk Gesang, Trompete, Gitarre
Frank Haunschild Gitarre
Bernd Heitzler Bass
Hiram Mutschler Drums

Wolfgang Haffner & Band
Der 36-jährige Franke hat längst internationales Format gewonnen. 250 Auftritte absolviert der Meister der Time pro Jahr; zehnmal arbeitet er jährlich in den Staaten. ● Für seine eigenen Ambitionen eignete er sich Stilelemente von HipHop, Soul und House an. "Urban Life" entstand dabei – eine CD, bei der es ihm auf "fröhliches Grooven" ankam. ● Tony Lakatos' mächtigen Sax-Sound sekundiert in der aktuellen Formation die Gitarre von Peter Tiehus, Vladislav Sendetzki geht quirlig dazwischen. Doch keine Sorge! Price und Haffner halten das Ganze straight zusammen. ● Diese Topleute gastieren nicht nur in Metropolen. Sympathisch: Letztens gaben sie ein Konzert im Wunsiedler Gemeindehaus – dem musikalischen Geburtshaus vom Sohn des dortigen Kirchenmusikdirektors Haffner.
Tony Lakatos Saxophon
Peter Tiehus Gitarre
Vladislav Sendetzki Keyboard
Magnum Coletrane Price Bass
Wolfgang Haffner Drums

Birgit Süß
Die äußerst vielseitige Sängerin hält ihre verschiedenen Genres prägnant auseinander; ob Jazz, Chanson oder Pop - ihr charakteristisches Timbre fügt sich in jeden Stil ein. Dabei profitiert jede ihrer Arbeiten von den andern. So gewinnen Süß' Standard-Interpretationen ihre Brillanz aus dem Modern Jazz. ● Dies Festival jedoch erlebt ein echtes Crossover: urfranzösische Chansons in komplett jazzigen Arrangements! Zwei Lebensgefühle legendärer Fifties-Metropolen begegnen sich. Für Birgit Süß ist's Ehrensache, dass daraus etwas moderat Neues entsteht.
Birgit Süß Gesang
Bernhard Pichl Klavier
Rudi Engel Bass
N.N. Drums

Kölner Saxophon Mafia
Vor genau 20 Jahren als Sextett gegründet, spielt die Hälfte der Urbesetzung (Ullrich, Kaiser, Veeck) noch heute mit. Und wie! ● Die Meister der Aneign- und Umsetzung kooperieren mit schottischen Dudelsackmeistern und Lautgedichtrezitatoren ebenso, wie sie Industry-Anregungen und Krimitrailer aufgreifen. "Saxuelle Befreiung" nennen sie dieses Konzept einzigartigerweise, und absolut eigenständig, eben kölnersaxophonmafiös klingt denn auch jedes Resultat. ● Ohne die 14 Gäste, die bei der Jubiläums-CD mitwirkten, spielt das Quintett sich selbst die Bälle zu. Dabei kommt das gewaltige Instrumentenarsenal zum Tragen: Klangfarben als ständig neue, liebevoll akzeptierte Provokation.
Roger Henschel
Wollie Kaiser
Steffen Schorn
Joachim Ullrich
Gerhard Veeck:
Soprillo-, Sopranino-. C-Sopran-, B-Sopran, F-Mezzo, Conn-"O"-, Alt-, C-Melody, Tenor-, Bariton-, Bass-, Kontrabass-, Subkontrabass-Saxophone, Es-Klarinette, Klarinette, Alt-, Bass-, Kontraalt- und Kontrabass-Klarinette, Piccolo, Flöte, Alt-, Bassflöte


Barbara Dennerlein Solo
"Bebab" heißt ihre Plattenfirma (und ihre dritte LP, die 1985 den Preis der deutschen Schallplattenkritik einheimste). Aus Bebop+Barbara setzt sich das Wort zusammen. Individuell-rhythmisch-schön, solche Titel wollen erarbeitet sein. ● Für Dennerlein ist es kein Gag, das schwere Instrument Hammond B 3 zu spielen. Einen Originalitäts-Bonus akzeptiert sie nur auf solider Grundlage: als kompetente Vertreterin neuer Jazz-Musik. Festivals in USA und Kanada sind ihr ebenso vertraut wie die Klubs in New York, sie kennt die Grooves der Jugend und die Hörerfahrungen einer Generation, die im Hammond-Boom der 50er Jahre aufwuchs. ● Swing und Bebop, Blues, Soul, Latin und Funk - für Barbara Dennerlein gibt es keine starren Grenzen, sondern fließende Übergänge. Das funktioniert auch ohne Begleitung von außen: „Der Fußbass ist für meine Art die Hammond zu spielen essentiell. Ich kann damit eine rhythmische Struktur entwickeln, die ein Bassist so kaum nachempfinden kann." ● Übrigens gab sie ein 1994 in Würzburg ihr erstes Kirchenkonzert und befasst sich seitdem auch mit dem königlichen Pfeifeninstrument.

Uwe Oberg Quartett
Die vier Leute haben sich was zu erzählen! Und manchmal scheint es, sie täten es über abwesende Fünfte und Sechste, über deren Charakter im Quartett seltene Einmütigkeit besteht. Dann Rollenwechsel: einer der Geschmähten, Nachgeäfften erscheint selbst... ● Doch das ist nur ein "Lesemodell" des Gehörten und Erlebten. Sicher gilt: Stets ebenso frei wie dicht verläuft die Kommunikation zwischen der Band. Deren phänomenales Zusammenspiel entwickelte sich seit 1999, als man zur zeitgemäßen Interpretation von John-Coltrane-Werken zusammenkam. ● Über die atonalen Themen und die lyrisch-fragilen Sound-Scapes schrieb die FR: "Die Themen sind wie Sandbanken in einem sich ständig selbst reflektierenden Spielfluss."
Mathias Schubert Tenorsaxophon
 Uwe Oberg Piano
Jürgen Wuchner Kontrabass
Jörg Fischer Schlagzeug

Big Band der Jazzinitiative & Rainer Tempel
Seit Januar 2002 arbeitet die Band ohne festen Leader und projektbezogen: Dem Count-Basie-Programm folgten Konzerte mit Gesang und ein Feature des Würzburger Saxophonisten Hubert Winter. ● Zum Jazzfestival studiert die Big Band eine Suite des jungen Pianisten Rainer Tempel ein und wird an diesem Abend vom Komponisten geleitet. Der ist Jazz-Preisträger des Landes Baden-Württemberg und lehrt an der Musikhochschule Luzern. ● Seine höchst melodische Suite "Opus 2" variiert mit kleinen Besetzungen innerhalb der Big Band, weil sonst der "Beschäftigungszwang" die kompositorische Freiheit beschränkt. Die Soli (fast jeder hat eins) waren ursprünglich auf die Musiker von Tempels eigener Band zugeschnitten. Eine Herausforderung für die Unsrigen.

Peter Fulda Trio
Mit seiner "Tarot"-Suite hat er sich ab 1994 einen Namen als mystischer Trio-Pianist in Würzburg gemacht. Für seine aktuelle Formation gewann er 1999 seine liebsten Instrumentalisten: Henning Sieverts, den gefühlvollen Bassisten, und den Filigran-Schlagwerker Bill Elgart. ● Einerseits stark durchstrukturiert, lassen Fuldas Kompositionen jedem der Drei die Freiheit, in jedem Moment Unvermutetes einzubringen. Die Musiker genießen diese Spannung – nicht zuletzt, weil sie sich unweigerlich auf den Zuschauer überträgt. ● Stark von Klassik, Impressionismus und Moderne beeinflusst, ist Peter Fulda glücklich darüber, dass er die "telepathischen" Beziehungen eines Streichquartetts mit wirklicher Improvisation verbinden kann. Insgesamt haben die Drei 70 Eigenkompositionen im Repertoire.
Peter Fulda Klavier
Henning Sieverts Bass
Bill Elgart – Schlagzeug

Theo Jörgensmann Quartet
Beseelter Klang. Vielleicht ist es gerade diese altmodische Eigenschaft, gepaart mit geradezu klassischer Spielweise, die der Klarinette ihren Platz im modernen Jazz sichert. Seit den 70er Jahren verschafft Jörgensmann dem Instrument mit höchster Leichtigkeit Beachtung. ● Sein aktuelles Klangsensorium lebt vom Dialog mit dem Vibraphon, das Christopher Dell ebenso gediegen spielt wie der Bandleader sein Blasinstrument. Und es lebt davon, dass diese aus der Swing-Ära bekannte Kombination hier vollkommen neu wirkt. ● Stärker melodisch orientiert als das Oberg-Quartett (siehe Samstag), stehen beide sich dennoch nahe: durch absoluten Rang der Improvisation: "Gemeinsame Ziele formulieren, Verantwortung übernehmen, aber auch, wenn nötig, zurücktreten", umreißt der Musiker das Wesen des Improvisators und macht diese gesellschaftlichen Schlüsselqualifikationen hörbar.
Theo Jörgensmann Klarinette
Christopher Dell Vibraphon
Christian Ramond Bass
Klaus Kugel Schlagzeug

Rahmenprogramm

29. Okt. 21 Uhr Omnibus: Leszek Zadlo Project Felix Wiegand, Uli Kleideiter, Leszek Zadlo und Michael Flügel

1. Nov. After Hours
Konzert und Ausstellungseröffnung: Markus Westendorf "Jazzplakate"
Nach Feierabend, eben „after hours“ spielen einige Philharmoniker Jazz. ● Thomas Lampert, Klarinettist des Würzburger Orchesters, kam mit Sängerin Barbara Schöller (u.a. die Sally in „Cabaret“) ins Gespräch, und rasch stand die Band. Die erarbeitete sich ein Repertoire aus dem „American Songbook“ – in ureigenen Arrangements und Interpretationen. Vorm Konzert Vernissage: Markus Westendorf gestaltete unsere Festivalplakate von Anbeginn. Seit September ist er Würzburgs Stadtgraphiker.
Thomas Lampert Klarinette, Saxophon
Barbara Schöller Gesang
Christopher Wasmuth Piano
Dirk Schade Kontrabass
Markus Verna Schlagzeug

12. Nov. 21 Uhr Chambinzky: Chambinzky-Jazz
13. Nov. 19 Uhr CinemaxX: Jazz Ball (Dokumentarfilm) & Kurzkonzert des Quartett Jazzette (Hauke Seifert – Akkordeon, Jürgen Heußler – Kontrabass, Werner Küspert – Gitarre, Daniel Tornier – Schlagzeug)
20. Nov. 21 Uhr Omnibus: Preisträgerkonzert Hubert Winter Quartett. Anlässlich der Verleihung des Bayerischen Kulturförderpreises stellt der Bandleader seine aktuelle CD vor (H. Winter – Saxophon, Peter Fulda – Piano, Markus Schieferdecker – Kontrabass, Dejan Terzic – Schlagzeug)